Vernor Vinge

A Fire Upon the Deep

Vinge ist sozusagen ein Cyberpunk-Autor ohne Cybermohawk. Im Gegensatz etwa zu William Gibson gibts es bei Vinge Raumschiffe, aber kaum Japaner, und auch das Blade-Runner-hafte Stadtleben, das für Cyberpunk sonst so typisch ist, fehlt bei ihm völlig. Was Vinge mit Gibson gemeinsam hat, ist eine enorme Fähigkeit, Computersysteme der Zukunft zu beschreiben, was vielleicht bei Gibson (der so gut wie nix von Computern versteht) mehr erstaunt als bei Vinge, der nebenamtlich Informatik-Professor ist.

Das Buch besteht im wesentlichen aus zwei Handlungssträngen, die beide mit grosser Meisterschaft und Intensität ausgestaltet sind, und die auf den letzten seiten des Buchs zum grossen Showdown zusammentreffen:

Auf der "Makro-Ebene" haben wir ein bizarres Gebilde: Ein universum-weites Usenet, dessen Benutzer sich mit automatischen Uebersetzern, lichtjahrweiten Mentalitätsdifferenzen, Bandbreitenproblemen und Flame-Wars herumschlagen. Eine Forschungsexpedition, die eine alte Raumstation archäologisch erfassen will, setzt versehentlich einen alten Computervirus oder -worm frei, der mit verheerender Wirkung aufs Netz losgeht.

Auf der "Mikro-Ebene" ist ein sehr abgelegener low-tech Planet, der von Kollektiv-Personen bewohnt wird, d.h., seine Bewohner bestehen je aus 3-5 biologisch separaten Wesen, die aber nur gemeinsam existieren und denken können.

Wie obiges schon andeutet, hat Vinge auch eine Ideenfülle in einen einzigen Roman verpackt, der z.B. bei Perry Rhodan auf einen mindestens 5000-bändigen Romanzyklus ausgewalzt worden wäre.