John Irving: A Son of the Circus

Man kann John Irving eigentlich nur hassen oder lieben (mit Ausnahme von Rufa, die ihn einfach ignoriert, bis er 25 Jahre unter der Erde gelegen hat). Irving schreibt unzweifelhaft ernsthafte Romane, die aber immer wieder von Rummelplatzfiguren bevoelkert werden: Zwerge, echte Baeren auf Einraedern, falsche Baeren in fremden Betten, Freistilringer, Transsexuelle, lachgassuechtige Abtreibungsaerzte und bombenwuetige Anarchisten lassen die Augenbrauen der Literaturkritiker hochschnellen. Zudem hat Irving noch ein Flair fuer peinliche oder sonst unkonventionelle Sexszenen.

Trotzt, oder gerade wegen seiner Idiosynkrasien hat Irving aber ein zahlreiches und loyales Publikum gefunden, das auch vor den mehr als 800 Seiten seines neuesten Romans kaum zurueckschrecken wird. Und erneut wird man von der Lektuere nicht enttaeuscht.

Hauptfigur von _A Son of the Circus_ ist Dr. Daruwalla, seines Zeichens orthopaedischer Chirurg, Zirkusfan, Hobby-Genetiker und heimlicher Drehbuchautor brutaler indischer Krimis. Wie viele Figuren im Roman ist Daruwalla gleichzeitig Inder und nicht-Inder: Mit 20 emigriert, mit einer Oesterreicherin verheiratet, und in Kanada lebend, kehrt er regelmaessig nach Indien zurueck, wo er sich jedoch weitgehend in der isolierten Sphaere eines exklusiven Privatclubs bewegt.

John Irving hat erneut einen exzellenten Roman geschrieben, den ich Lesern mit genuegend Lesekondition und Englischkenntnissen unbedingt empfehlen kann.


Review of John Irving: A Son of the Circus / 21Sep95 / neeri